Verwandelte Räume I

10 Künstler*innen inszenieren 10 Tage lang den „open space“ im Kulturhaus Ostblock zu einem einzigartigen KunstRaum. Musik und Klanginstallation, Malerei, Zeichnung und Skulptur, Filmprojektion und digital art greifen experimentell ineinander und verwandeln den großen Raum in ein sich permanent änderndes Gesamtkunstwerk.

Nach 5 Tagen kollektiver Entwicklungsarbeit wurde ein Raum zum Kunstobjekt. Fast alle Arbeiten sind in 5 Tagen und Nächten vor Ort entstanden, beziehen sich auf den Raum und greifen ineinander. Das Ergebnis des Kunstprojekts ist spannend.

Der Raumeindruck erschließt sich allerdings nur vor Ort, denn Akustik und bewegte Bilder sind ein entscheidender Ausstellungsfaktor. Das Publikum kann sich frei bewegen, sitzen, liegen, träumen, Tee trinken und verwandeln lassen.

Während der öffentlichen Ausstellung gibt es zusätzlich spontane Interventionen mit Livemusik, Text, Zeichnungen, Video und Performance.
Die Künstler*innen sind: Marcus Beuter (Field Recording), Sarah Marie Caroline Dahm (Malerei), Beate Freier-Bongaertz (Zeichnung), Lilly Köpke (Video, Rauminstallation), Leon Schäfer (Video, Rauminstallation, Licht), Willem Schulz (Cello), Jörg Spätig (Skulptur), Aisha Stief (Video, Animationsfilm, Rauminstallation), Ivo Tödtmann (Video)

Die Raumintervention ist Teil eines 3-jährigen Kunstprojekts der Cooperativa Neue Musik mit dem Filmhaus Bielefeld, der HSBI FB Gestaltung und dem Künstlerkollektiv DaunTown.

Gefördert von: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Regionales Kulturprogramm NRW, Bürgerstiftung Bielefeld, Sparkasse Bielefeld

Verwandelte Räume I
Multimedia Inszenierung
Kulturhaus Ostblock – Open Space
Werner-Bock-Str. 34c, Bielefeld
17.-21.09.2025 / täglich 12 – 24 Uhr


Hier der Versuch, fotografisch Raumeindrücke zu vermitteln. Das Gesamtkunstwerk erschließt sich allerdings nur vor Ort.
Akustik und bewegte Bilder sind ein entscheidender Ausstellungsfaktor. Besucher können die aufgestellten Sitz- und Liegemöglichkeiten nutzen und im Raum verweilen.


Der Raum wurde bis in die kleinsten Nischen verwandelt.

Das Video von Ivo Tödtmann gibt einen kleinen Einblick in die Atmosphäre des Raums. Video „Verwandelte Räume I“

Das verlängerte Moment

Die Ausstellung „Das verlängerte Moment“ von Yasin Wörheide widmet sich der Frage, wie sich Zeit in Form und Bild einschreibt.

Yasin Wörheide zeigt Malerei, Skulpturen und erstmals eine Werkgruppe von über 70 Reisezeichnungen – entstanden auf Wegen durch Kolumbien, China, Russland, Norwegen, Peru, Deutschland und weitere Länder.

Statt schneller Fotografien halten diese Arbeiten Momente des Innehaltens fest – zeichnerische Annäherungen an Menschen, Landschaften, Städte und Objekte. Jede Zeichnung ist ein destillierter Augenblick, ein verlängertes Moment.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 31.8.2026 in der Freimaurerloge Herford.

Zeichnungen von Yasin Wörheide aus der Werkgruppe Reisezeichnungen.


Yasin Wörheide bei der Eröffnung im Gespräch mit Künstlerkollege Rosario de Simone.

Migratio – ein partizipatives Kunstprojekt

Beate Freier-Bongaertz war mit Ihrem Projekt bereits an neun verschiedenen Orten. Die neuste Arbeit entstand vor wenigen Tagen in Lößnitz. Die Einladung kam von der Ideenschmiede „Lößnitz MAKERS“, die im Rahmen der „Kulturhauptstadt Chemnitz 2025“ agieren.

Die Künstlerin beschäftigt sich in ihren aktuellen Arbeiten mit Landkarten, Strukturen und Wegstrecken.

In dem Projekt „Migratio“ fragt sie jeweils 35 ortsansässige Ausstellungsbesucher nach deren verschiedenen Wohnorten. Als Grundlage dient eine Deutschlandkarte, über der ein Pergament gespannt ist. Von der Kindheit, über die Ausbildung bis zum endgültig gewählten Wohnort, jedes Bewegungsprofil einer Person wird in chronologischer Reihenfolge als eine Linie dargestellt. Durch Überschneidungen und Verdichtungen kristallisiert sich so der Mittelpunkt. Die Linien insgesamt zeigen eine Bewegungsstruktur der jeweiligen Stadt.

Die fertigen Blätter der einzelnen Orte sind zeichnerischer Minimalismus, deren konzeptueller Umgang mit den biografischen Bewegungen von Ausstellungsbesuchern in formaler Strenge aufgeht. Es entstehen grafische Blätter mit spannender Struktur, die eine eigene, nicht planbare Bildästhetik entwickeln.

„Vielleicht lässt meine Arbeit auch gesellschaftliche Rückschlüsse zu. Mich interessierte, wie unterschiedlich die Bewegungsstruktur in einer Großstadt, einer Kleinstadt und auf dem Land ist. Ich habe diese Kunstperformance bereits in verschiedenen Großstädten, Kleinstädten und kleinen Orten auf dem Land durchgeführt. Ziel ist es, so viele Blätter wie möglich zu fertigen und die Strukturen zu vergleichen.“


Vor dem Ausstellungsraum in Lößnitz.

Die Arbeitsgrundlage.

Das Blatt „Migratio-Lößnitz“, von Beate Freier-Bongaertz gefertigt während der Kunstaktion in Lößnitz.

Das Blatt „Migratio-Ahlen“

Das Blatt „Migratio-Borgholzhausen“

Das Blatt „Migratio-München“

Das Blatt „Migratio-Osnabrück“

Andere Arbeiten von Beate Freier-Bongaertz

Verstrickungen

Die Ausstellung KONTEXT des Lippischen Künstlerbundes widmet sich der Frage, wie der Kontext, in dem Kunst präsentiert wird, unsere Wahrnehmung beeinflusst. AnnieLuu Fischer ist dort mit ihrer neusten Arbeit „Verstrickungen“ vertreten.

Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist ein Zitat des französischen Dichters Lautréamont: „Schön wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch.“

Als poetisch-surreale Collage aus zwei gegensätzlichen Elementen, Holz und Wolle, fügt sich das Werk in die räumliche Situation ein. Es entsteht ein Spannungsfeld aus Ordnung und Subjektivität, Struktur und Emotion, Kontrolle und Assoziation. Der Raum wird zur Metapher für psychische und soziale Kontexte.

Die Ausstellung ist vom 31.8. bis zum 21.9. im Eichenmüllerhaus in Lemgo zu sehen.


AnnieLuu Fischer „Verstrickungen“.

Monkey Mind

Die Künstlerin Caro Enax fertigte eine neue plastische Arbeit für den Avantgarten, den Skulpturengarten in Dauntown.

In Caro Enax Werk gehen ihre Zeichnungen und Skulpturen eine Symbiose ein. Der hauchdünne Draht übernimmt die Funktion einer gezeichneten Linie im Raum, die sich zur dreidimensionalen Form verdichtet. So ist Monkey Mind entstanden wie eine Ein-Linien-Zeichnung, ohne den Stift abzusetzen, bestehend aus einem einzigen durchgängigen Draht.

Die Formensprache der Bildhauerin entspringt einer organischen Komplexität, deren Charakter dem Prozess entspricht und nicht planbar ist. „Es ist ein langsames, meditatives Arbeiten, das vom Körper geleitet wird, während der Kopf eher zuschaut. Die Entscheidungen, die während des Arbeitens stetig getroffen werden, scheinen eher dem  Bewegungsgedächtnis der Finger zu entspringen als dem rationalen Bewusstsein. Es gibt keine ehrlichere Begegnung mit sich selbst als in der vollkommenen Hingabe an einen künstlerischen Prozess“, sagt Enax über ihre Arbeit.

So entstand in neun Tagen meditativen Arbeitens ein poetisches Kleinod in Dauntown. Hängend in einem Baum, dem Spiel des Windes freigegeben, zieht es den Betrachter in seinen Bann.


Caro Enax vor dem HUBSA, dem Residenzraum für Gastkünstler.


Die gesamte Skulptur ist aus einem durchgehenden Edelstahldraht mit 0,4mm Durchmesser entstanden.


Caro Enax mit ihrem vollendetem Werk. Deutlich wird hier das Prinzip der Verdichtung zur Mitte hin.


Der ideale Platz für das Werk ist gefunden.


Foto: Hanna Retz


Foto: Hanna Retz


Foto: Hanna Retz

Mehr über Caro Enax: www.caroenax.de
Alle Kunstwerke im Avantgarten

Kunst und Arbeit – Reflexion

Das seit nunmehr elf Jahren bestehende Kunstprojekt zwischen DaunTown und dem Maschinenbau-Unternehmen Lübbering, zeigt auch in diesem Jahr wieder ein überraschendes Ergebniss.

Kunst und Arbeit ist bei Lübbering Programm und tief verankert. Auf unterschiedlichste Weise fördert das Unternemen Kunst und Künstler. 2014 bekamen sie für ihr Engagement in Sachen Kunst den OWL Kulturförderpreis.

Zu Beginn ihrer Ausbildung arbeiteten acht Auszubildende drei Tage in den DaunTown Ateliers. Die Aufgabe: den eigenen Alltag reflektieren, sich von der umgebenden Atmosphäre inspirieren lassen und improvisierte Lösungsmöglichkeiten für ihre eigene Idee finden. Die Künstler unterstützten sie dabei.

Für alle Lehrlinge war die Begegnung mit Kunst und der Einblick in künstlerische  Gedankenwelten eine neue Erfahrung.

Nach einem Rundgang durch alle Ateliers begann für die Azubis der eigene kreative Prozess. Zunächst einigten sich alle auf das Thema Selbstportrait. Das Ziel, ein Objekt zu bauen, in dem sich die momentane Lebenssituation widerspiegelt. 

Für die künstlerische Umsetzung wurde gefundenes Material aus den Ateliers benutzt. Das Ergebnis: ein Einkaufswagen, in dem acht Azubis und ein Ausbilder sitzen, angetrieben durch einen Raketenantrieb voller Wissen.


Die Auszubildenden der Firma Lübbering bei der Arbeit. Improvisation und Teamwork sind hier gefragt.


„Selbstprotrait“, das aktuelle Lebensgefühl der acht Auszubildenden künstlerisch umgesetzt.

„Nicht jed r“

Im Avantgarten, dem Skulpturengarten in DaunTown, herrscht reges Treiben. Nun hat die niederländische Künstlerin Marja van Putten ihr Werk vollendet.

In ihrem Hauptwerk arbeitet van Putten mit textilem Material. Allerdings nicht als Ausdruck von Weiblichkeit, obwohl ihr bewußt ist, dass Materialien niemals neutral sind.

Sie verwendet Textilien als autonomes Material mit abstrahierenden Möglichkeiten. Ihre malerischen und skulpturalen Werke sind materielle Erforschung dessen, was Textilien in der zeitgenössischen Kunstpraxis sein können, losgelöst von kulturellen Assoziationen oder symbolischer Bedeutung.

Der Satz, den Sie in DaunTown an die Wand schrieb, bezieht sich auf ihre Arbeit in vielfältiger philosophischer Weise.


Marja van Putten arbeitete fünf Tage in DaunTown an ihrem Werk für den Avantgarten.


Foto: Marja van Putten

Mehr Arbeiten von Marja van Putten

Alle Skulpturen im Garten ansehen: www.avantgarten.eu

Wind-Kraft

Der lettische Bildhauer Mārtiņš Pundurs hinterlässt seine künstlerischen Spuren in DaunTown. Er war neun Tage zu Gast im HUBSA, der sozialen Skulptur von André Smits, in der internationale Künstler als Artist in Residenz wohnen können.

Der Kontakt zu lettischen Künstlern hat in DaunTown Tradition, bereits vier mal wurden Symposien mit lettischen und deutschen Künstlern veranstaltet.

Es ist die Landschaft, die Mārtiņš Pundurs inspiriert. Sie ist Ausgangspunkt für seine meist kleinen Skulpturen.

In Borgholzhausen entdeckte er viele Ähnlichkeiten zu seiner Heimatstadt Cesis: Landschaftlich, historisch (vergleichbares wie die Varusschlacht gab es auch in seiner Region) und baulich (beide Städte sind kleine mittelalterliche Orte mit Burgruine). Künstlerisch entschied er sich allerdings für eine aktuelle Gemeinsamkeit, der Diskussion um die Windräder. Prägend für die Landschaft und formgebend für seine Skulptur.

Für den Avantgarten fertigte Mārtiņš Pundurs eine große Skulptur, ein Spiel mit Form und Material, in dem sich alle vorausgegangenen Überlegungen wiederfinden lassen. Sperrigkeit und Ironie prägen dieses Kunstwerk. An der Rückseite ist eine Türöffnung für eine kleine Feuerstelle eingearbeitet.


Der lettische Bildhauer Mārtiņš Pundurs bei der Arbeit an seiner Skulptur im Atelier von Jörg Spätig in DaunTown.

Alle Skulpturen im Garten ansehen: www.avantgarten.eu

Forum Kritische Kunstgeschichte

Zugast im Künstlerhaus DaunTown diskutierten Studierende des frei organisierten Forum Kritische Kunstgeschichte aus Münster mit den Künstlerinnen und Künstlern vor Ort.

Diskutieren über Ideen und Wissen ist ein lebensnotwendiger Nährstoff für die Kunst. Der Austausch zwischen Künstlerinnen und Künstlern untereinander ist gelebter Alltag, der Austausch mit Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern kommt jedoch häufig zu kurz.

Kunsthistoriker sind oft gefangen in wissenschaftlicher Theorie und übersehen dabei, was in der Gegenwartskunst aktuell und wichtig ist. Die Sichtweise, Herangehensweise und Interpretation von Kunst ist sehr unterschiedlich bei beiden Gruppen.

Dabei ist hier die Kommunikation besonders notwendig. Für eine gemeinsame Arbeitsgrundlage wie beim Organisieren von Ausstellungen, die Interpretation, Vermittlung und Beschreibung aktueller Kunst und so weiter, ist eine Verständigung zwischen Kunstschaffenden und Kunsttheoretikern unumgänglich. Beide Seiten profitieren davon. Für die Historiker können weiter Arbeitsfelder und -plätze erschlossen werden. Die Künstler werden in ihren Interessen und Inhalten besser vertreten.

In DaunTown sprachen Kunstgeschichte-Studierende und Künstlerinnen und Künstler darüber, wie ein besserer Dialog zwischen beiden Seiten möglich wäre. Dabei wurde auch über die unterschiedlichsten Probleme der Kunstwelt aus beiden Sichtweisen diskutiert. Zum Beispiel: Welche Kunst verdient es ausgestellt zu werden und in den Kanon aufgenommen zu werden? Wie wichtig ist dieser überhaupt? Alle äußerten ihre Sorgen über die Zukunft der Kunstwelt. Gemeinsam wurde überlegt, wie bereits im Studium ein Austausch zwischen Kunsthistorikern und Kunststudenten in Zukunft zu gegenseitiger Unterstützung führen kann und welche Möglichkeiten es gibt, um berufliche Perspektiven zu erschließen.

Meike Detert


In DaunTown diskutierten Studierende des Forum Kritische Kunstgeschichte über Kunst der Gegenwart direkt vor den Objekten in den Ateliers. (Fotos: Alexandra Malobrodski)

Betonbaukasten

Die Gartensaison ist eröffnet! Passend mit dem schönen Wetter zieht ein neues künstlerisches Werk in den Avantgarten, dem Skulpturengarten in DaunTown, ein.

Jasper Tiemeyer, Maler und Bildhauer, war im vergangen Jahr als Atelierstipendiat in DaunTown. Umso mehr freuen wir uns, nun seine Arbeit im Garten präsentieren zu können. Vier Arbeiten aus der Reihe „Betonbaukasten“ sind ab jetzt zu sehen.

Tiemeyer zu seiner Arbeitsweise: „Die Bearbeitung des formbaren Ausgangsmaterials Ton erzeugt Spuren eines körperlichen Arbeitsprozesses. Einzelne Module entstehen aus Wiederholungen derselben Gesten, deren Fragmente konserviert und neu zusammengesetzt werden. In der Betongussform verdichten sich diese Fragmente zu Körpern.

Die Skulpturen verstehen sich als Weiterführung: bereits benutzte Tonstücke tauchen erneut auf, werden überarbeitet, erweitert, fragmentiert. So entsteht ein Baukasten aus Teilen, deren Formen nie abgeschlossen sind. Jeder Guss wird zum Archiv eines Prozesses, dessen Spuren im Material weiterleben.“


Jasper Tiemeyer installiert sein Werk „Betonbaukasten“ im
Avantgarten in DaunTown.


Jasper Tiemeyer ist für seine amorphen Betonskulpturen bekannt.


Eine Arbeit aus der Reihe „Betonbaukasten“ von Jasper Tiemeyer.

Alle Skulpturen im Garten ansehen: www.avantgarten.eu