Zweites DaunTown-Atelier-Stipendium 2022

Auch 2022 fördert DaunTown eine zweite Künstlerin mit der Möglichkeit für einige Monate in den Atelieräumen zu arbeiten. Regulär wird jedes Jahr nur ein Atelierstipendium vergeben. Die Künstlerin Elena Kok hat in den vergangenen Monaten die kompletten Werke für ihre letzte Ausstellung in den DaunTown-Ateliers erstellt.

In ihren Arbeiten beschäftigt sich Elena Kok mit einer wichtigen Frage unserer Zeit, der kulturellen Herkunft. Ausgelöst wurde dieses Interesse durch ihren persönlichen Hintergrund, in Deutschland aufgewachsen als Kind einer mexikanischen Mutter und eines deutschen Vaters.

In ihren Werken setzt sie sich mit den Hochkulturen Mexikos auseinander, um zu sehen, wie viel Einfluss diese alten Wurzeln heutzutage noch auf sie haben. Gleichzeitig ist es auch eine Suche nach Zugehörigkeit.

Gefunden hat sie dabei eine ganz eigene Formensprache, die sich aus vielem zusammensetzt. Und eine Antwort die positiv stimmt: Nicht die abstrakte Vorstellung von Authenzität ist für uns als Person wichtig, sondern die Möglichkeit individuell eine eigene reale Authenzität zu entwickeln.

Elena Kok arbeitet in den Bereichen Malerei und Skulptur. Während in ihrer Malerei der europäische Einfluß überwiegt, sehen wir in den Skulpturen deutlich mexikanische Ursprünge. Die Figuren entspringen der Mythologie der Azteken kombiniert mit der mexikanischen Fauna und der bildnerische Erfahrung der Künstlerin.

Elena Kok im Atelier.

Großformatige Malerei von Elena Kok.

Ergänzt werden die Skulpturen durch Fundstücke aus der mexikanischen Heimat, zum Beispiel Gürtel und Armbänder, die in die Formgebung einfließen.

Die Farbigkeit und Muster der Skulpturen sind eine Mischung aus mexikanischem und aktuellem europäischen Einfluss.

Poet oder Maulheld

Die erste Wandmalerei im Avantgarten!

Jakob Schöning, vergangenes Jahr DaunTown-Atelierstipendiat, hat nun eine Halle auf dem Gelände mit einem ca. 14 m langem Graffiti versehen. Unter dem Titel „Poet oder Maulheld“ bleibt er sich seinem Thema der menschlichen Beziehungen treu. Seine gesellschaftlichen Beobachtungen sind alltäglich. Die Figuren werden scheinbar überrascht in einem unerwarteten Moment. Sie agieren miteinander, auch wenn sie verschachtelt, fragmentarisch oder scheinbar nur nebeneinander aufgelistet sind. Der Betrachter nimmt die Bilder als Schauspiel wahr, an dem er selber teilnimmt.

So beleuchtet er Szenen des urbanen Lebens, und das in absoluter ländlicher, idyllischer Umgebung. Und wer vermutet, dass das Treiben in den Ateliers das Werk mit beeinflusst hat, liegt nicht ganz falsch.

Aktuell ist Jakob Schöning mit seiner Malerei für den Osnabrücker Kunstpreis nominiert und einige Arbeiten von ihm sind in der Ausstellung bis zum 26.3.2023 dort zu sehen.

Mehr Malerei von Jakob Schöning auf seiner Webseite und auf der Avantgarden Seite.

DaunTown-Atelier-Stipendium 2022

In diesem Jahr geht das DaunTown-Atelier-Stipendium an die Künstlerin Anna Bella Eschengerd. Für sieben Monate stellt DaunTown ihr einen Atelierraum zur Verfügung. Sie hat sich bereits eingelebt und einige Arbeiten geschaffen.

Anna Bella Eschengerd ist eine vielseitige Künstlerin. Ihr Arbeitsfeld liegt im Bereich der Zeichnung, der Performance und des Textes.

Ihre Zeichnungen lassen sich dem Surrealismus zuordnen. Sie beginnt an einer Stelle auf dem leeren Blatt mit einer zeichnerischen Geste, einer Linie oder einer Struktur, lässt dem Stift seinen freien Lauf und sieht dem Geschehen zu, um dann die Linien zu Formen weiter zu entwickeln. Aus den unbewußt entstehen Figuren, die sich fortwährend verändern, werden kryptische Geschichten und letztendlich großartige grafische Blätter. Diese Arbeiten ziehen in den Bann! Mit der gleichen Akribie, mit der die Künstlerin zeichnet, verfolgt der Betrachter die Bilddetails und versucht das Werk zu entschlüsseln.

In ihren Performances ist Anna Bella Eschengerd leise aber sprachgewaltig unterwegs. Sie reagiert auf den jeweiligen Raum oder das Publikum mit Bewegung und Sprache. Oft geht sie auch künstlerische Kooperationen mit Musikern ein. Ein Beispiel ist das zum Teil in DaunTown entstandene Werk „Alles ist zerleuchtet“. Hier hat Anna Bella Eschengerd einen Text geschrieben, die Buchstaben kodiert und zusammen mit dem Musiker Willem Schulz in Noten transformiert. Die sich daraus ergebende Partitur wurde als Konzert für Cello, Klarinette und Mezzosopran aufgeführt. (Text im Anhang).

Ihr großes Sprachtalent nutzt sie im Atelier auf besonderer Weise, als vierte DaunTown-Stipendiatin ist sie die erste Künstlerin, die hier ein Atelier-Tagebuch schreibt.

Anna Bella Eschengerd im Gespräch über Kunst im Atelier.

Noten-/Arbeitsblätter zum Text „Alles ist zerleuchtet“.

Alles ist zerleuchtet (von Anna Bella Eschengerd)
Das Spiegelkabinett wirft das Bild eines Verwirrten nach dem Gast, der sich seinen Weg ertastet. Erstickt in einem Lichtkasten: ein Vögelchen zur Rechten. Dem Tier tief ins tote Auge schauend verliert er Halt. Der ganze Leib stürzt nach in eine leuchtende Tiefe und findet sich zerbeult in einem Winkel. Die Grimasse steht Kopf und der Gast rappelt sich auf. Der Gang ist eng und ganz erleuchtet. Ein dunkler Krabbler robbt voran. Sein Kopf stößt sich von der niedrig Decke ab. Das einzige Licht, das aus ist, ist das Augenlicht, die ganze Helle ergibt kein Bild für den sich vorwärts Ringenden. 

Der Gast fühlt sich gequetscht von all dem Gleißen. Gast, Gast, was heißt das schon? Erinnern muss er sich! Von hinten wälzen sie sich schwergewichtig über ihn, den einzig dunklen Fleck an diesem lichten Ort. 

Er hockt sich hin, so gut es geht. Es ist sehr warm, er ist ganz falsch gekleidet für diesen Anlass. Vielleicht kann er seine Krawatte lösen und sein Jackett über die Schultern ziehen. Ein Clownsgesicht links bei ihm tut es ihm gleich. Dieser Narr steckt sich den Schlips zipfellängs in den roten Mund und schlingt ihn sich in den Hals, bis er sich selbst erwürgt. Mit sichtlichem Befremden verfolgt der Gast das Treiben. Da reißt es ihn aus den Schuhen, halswärts in ein weiteres Licht.

Die Hand, die Hand, er legt sie flach auf das, was sich gläsern zeichnet. Ein Gefühl zu fordern tritt er an mit leerem Stiefel. Was da ist, schwindet gleich unter seinem Tasten. Härte unter meinen Knien betet er nach inständig. Zwei Schwäne – gläsern – schieben sich, wie auf Befehl, an ihm vorbei. Wobei das filigran Gefieder schneidet nach ihm scharf. Er, Weichender, seines Fleisches sehr bewusst. 

Dann kommt die Liebe in Gestalt eines Tauben und übergießt ihn kühl obszön mit ihrer Nacktheit, dass er schamhaft um sich schaut, vor wem sie sich wohl exponiere, doch niemand da im Außen ist, das sich verzieht in gleißend hell. Die Liebe legt den Finger an den Mund und betont ganz salbend: nur er sei gemeint und ganz intim, weil alles so erleuchtet sei, das er bewandele. 

Quatsch prescht er gerade los, als er ins Rutschen kommt und auf dem wächsern Blut der Liebe seine Spur zu Tosen wischt in dem er dann von dannen zischt. Gebeult liegt er da am Ende in seinem Saft. Endlich in einem Aquarium wie es scheint. Es leuchtet so sehr, dass es fast kreischen müsste, wie es ihn überstrahlt, als er nach seinen Händen schaut, die wie ein Fremdes vor ihm sternen. Die Hand beschaut aus der Erinnerung, kein Band zu dem, was da vor ihm steht, lässt er das Tasten sein und tanzt ganz leise irr, so öffnet er den Schlund und schluckt das Licht und will es furzen, so entgrenzt ist er, doch es durchdringt ihn als von Gegenstand. Kein Widerstand dem groben Auge vor dem Guckekasten: ausgedünnt, zerleuchtet, hat nicht standgehalten.

Ein weiterer Atelier-Stipendiat in diesem Jahr

Eigentlich wird jedes Jahr nur einem Künstler oder einer Künstlerin die Möglichkeit gegeben, in DaunTown für einige Monate zu arbeiten. Dieses Jahr haben wir uns entschieden, einen weiteren Künstler zu fördern.

Als dritter DaunTown-Atelier-Stipendiat hat Jakob Schöning die letzen Monate die Räumlichkeiten genutzt und viel gearbeitet. Seine Malerei bietet nochmal einen neunen Aspekt im DaunTown-Künstler Kontext.

Ursprünglich aus dem klassischem Graffiti kommend studierte Jakob Schöning Malerei. In seinen Bildmotiven beschäftigt er sich oft mit gesellschaftspolitischen Inhalten. Manche Bilder erzählen vom Zusammenrotten an den Rand gedrängter Menschen. Opfer offenbaren ihre Täterseiten und anders herum. Im Zusammenspiel von Dargestelltem und Farbe entsteht ein ambivalentes Feld zwischen Heiterkeit und Beklemmung.

Die im Gastatelier entstandenen neuen Arbeiten sind eine malerische Weiterentwicklung. Zudem wurden auch neue Themenfelder erschlossen.
Zum Teil setzte Jakob Schöning in unserer Kantine geführte Gespräche über Malerei und Kunst direkt in Bilder um. So auch „Der malende Affe“, im Anhang zu sehen.


Jakob Schöning in Aktion


„Akt und Acker“ der Blick aus dem Atelierfenster war hier inspirierend
für den Titel.


Atelier-Stillleben

Menschen und Landschaft

„Der malende Affe“ entstand nach einem Gespräch mit Wolfgang Meluhn und Jakob Schöning über Malereiübungen, Training und unabdingbar persönliche Handschrift in der Malerei.

Weitere Arbeiten von Jakob Schöning hier

10 m³ KunstDialoge

Künstlerische Interventionen im Schaukasten des Kunstvereins hase29 in Osnabrück.

Aktuell arbeitet Marvin Knopf in der Schauvitrine der hase29 an einer amorphen Wandskulptur aus selbst gefärbtem Leinen. Die Wandskulptur ähnelt in ihrer Formsprache und Farbigkeit den abstrakten Malereien des Künstlers und ist Teil einer Serie, die im Rahmen des DaunTown-Atelierstipendiums entsteht.

Zwar ist der Ausdruck der Skulptur abstrakt, dennoch sind Assoziationen mit dem menschlichen Körper, wie etwa Extremitäten oder Gedärmen nicht von der Hand zu weisen.

Die Stoffschläuche, zu geometrischen Gebilden zusammengefügt, werden  durch die weiche Beschaffenheit des Materials, in der Hängung wieder zur organischen Form. Als Kontrast zu der weichen, fließenden Form ist an einer Stelle eine Metallkette eingefügt. Diese Zusammenzerrung bricht die Geometrie der Komposition auf. Das Zerren und Abschnüren in Bezug zur Assoziation des Materials mit dem menschlichen Körper kann einerseits als Schmerz oder Fesselung gedeutet werden oder andererseits rein formal als kompositorisch bedeutungsvoll für den Ausdruck des Werks.

Der Entstehungsprozess wie auch das Werk selbst kann noch bis zum 11.7. im Schaukasten der hase29 in der Hasestraße in Osnabrück beobachtet werden.

Das Kunstwerk entsteht direkt draußen vor dem Kunstverein.
Hier das Färben des Leinens.

Die Stoffschläuche hat Marvin Knopf aus Resten von
Leinwänden genäht.

Noch bis zum 11.7.2021 ist die Arbeit zu sehen.

hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V

DaunTown-Atelier-Stipendium 2021

Der zweite DaunTown-Atelier-Stipendiat hat sein Atelier bezogen!

Jedes Jahr wird einem Künstler oder einer Künstlerin die Möglichkeit gegeben, hier für einige Monate zu arbeiten. Nicht nur das eingerichtete Gastatelier bietet gute Möglichkeiten der Entfaltung, auch das Miteinander der ansässigen Künstler und die Kontaktvermittlung in die Kunstszene gehören zum Förderprogramm.

Der Stipendiat 2021 ist der Maler Marvin Knopf. Mit seiner farbintensiven ungegenständlichen Malerei erweitert er das Kunstspektrum in DaunTown. Der Ausgangspunkt für seine Werke ist meist ein Illustriertenfoto mit starker Struktur und Farbe. Dieses „Fundstück“ nimmt er als Anlass, um daraus seine  Arbeiten zu entwickeln. Die Kompositionen enstehen während des Malprozess. Dabei läßt er sich von keinem maltechnischen Dogma bremsen. In jedem Bild findet der Betrachter gemalte Flächen, Zeichnungen und Collagen; das Ganze komponiert zu einem großformatigen Werk.

Marvin Knopf arbeitet seit vier Wochen in seinem Gastatelier.

Wie viele Künstler arbeitet auch er an mehreren Bildern gleichzeitig.

Hier die Präsentation fertiger Arbeiten.

DaunTown-Atelier-Stipendium 2020

DaunTown – das ist nicht nur eine Künstlergemeinschaft, es ist vor allem eine innere Einstellung zur Kunst und ein Ort des Schaffens. Und so ist es naheliegend, dass die Idee entstand, ein Atelier-Stipendium zu vergeben.

Jedes Jahr soll einem Künstler oder einer Künstlerin die Möglichkeit gegeben werden, in DaunTown für einige Monate zu arbeiten. Nicht nur das eingerichtete Gastatelier bietet gute Möglichkeiten der Entfaltung, es können alle Räume von der Kantine bis zur Werkstatt mitgenutzt werden.

Ziel des Atelier-Stipendiums ist einerseits die Förderung von Künstlern durch zur Verfügungstellen von Räumlichkeiten und Kontaktvermittlung in die Kunstszene, andererseits der so wichtige künstlerische Austausch mit Kollegen.

Die erste ausgewählte Stipendiatin 2020 ist Janina Kilimann. Ihre Malereien zeugen von einer großen Tiefe, und das im doppelten Sinne. Die Bilder entstehen in einem langwierigen Malprozess. Schicht über Schicht wird angelegt, um dann erneut überarbeitet zu werden. Das Motiv ist dabei einer ständigen Wandlung unterworfen, um am Ende wieder in den Vordergrund zu treten. Der Betrachter ihrer meist großformatigen Arbeiten spürt ein Geheimnis unter der malerischen Oberfläche.

In diesem Gastatelier hat Janina Kilimann die letzten Monate gearbeitet.

Eine Zeichnung im Atelier.

Der malerische Prozess: die Entstehung einer Arbeit von Janina Kilimann in drei Schnappschüssen festgehalten.

Janina Kilimann in einem der zahlreichen interessanten Gespräche über Kunst und künstlerisches Arbeiten.

Die Malerei kurz vor der Vollendung.

Das fertige Bild.

Es wird parallel an verschiedenen Werken gearbeitet.

„Das Rhabarberbeet“ von Janina Kilimann. Diese Arbeit ist zur Zeit im Kunstverein Daniel-Pöppelmann-Haus in Herford ausgestellt.

Ausstellung im Daniel-Pöppelmann-Haus

Seit Sonntag ist das Museum des Kunstverein Herford wieder geöffnet. Wenn auch unter Coronabedingungen, können Besucher wieder Kunst im Original genießen.

Die Ausstellung ist in Ergänzung zu den „Flüchtige Blicke“, die der Herforder Kulturbeutel in der Innenstadt organisiert hat, entstanden. In der Stadt sind Arbeiten von 35 Künstlern zu sehen, im Daniel-Pöppelmann-Haus Originale von 18 Künstlern. Das Spekturum geht von zeitgenössischer Malerei über Grafik, Fotografie, Emaille, Skulptur über Objekte bis hin zur Installation. Unter den ausstellenden Künstlern sind auch Janina Kilimann, Jörg Spätig, Michael Strauß und Beate Freier-Bongaertz.

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ist für den Besuch eine Anmeldung telefonisch unter 05221 189689 während der Öffnungszeiten des Museums notwendig. Außerdem wird ein Nachweis über einen tagesaktuellen negativen Corona-Test von einer zugelassenen Teststelle benötigt.

Ausstellung „Flüchtige Blicke“ im Daniel-Pöppelmann-Haus bis 16.7.2021
Die Öffnungszeiten des Herforder Kunstvereins sind:
Mi bis So von 14 bis 18 Uhr.
HERFORDER KUNSTVEREIN
im Daniel-Pöppelmann-Haus e.V.
Deichtorwall 2 • 32052 Herford
www.herforder-kunstverein.de

Ausschnitt der Arbeit von Michael Strauß beim Aufbau der Ausstellung. In der Vitrine Skulpturen aus Pappe, im Hintergrund ein Gemälde ebenfalls auf Pappe.