bus shelter

Der Fotograf David Weldzius aus Los Angeles war für eine Woche Gastkünstler in DaunTown. Er nutzte die Zeit zum Schreiben. In seinem Essay setzt er sich mich mit dem Konzept der gegenseitigen Hilfe sowie der gemeinschaftlichen Verwaltung von Allmende-Flächen und Ressourcen auseinander. Die Texte werden gemeinsam mit seinen Fotografien im Buch *History Painting* erscheinen, das Ende 2026 bei Insert Press herauskommt.

„Bei Spaziergängen durch Borgholzhausen fiel mir eine Reihe städtischer Bushaltestellen auf. Sie weckten mein Interesse gerade durch das, was ihnen fehlte: Werbung. Jedes Wartehäuschen rahmt die Landschaft mit drei durchgehenden Glasscheiben ein.

Ich ging mehrmals an der Bushaltestelle nahe dem Atelierhaus gelegen vorbei – die direkt an ein Privathaus grenzt –, bevor ich sie fotografierte. Ein dichtes Gewirr aus Ranken und immergrünen Pflanzen drückte sich von der Rückseite her gegen das Glas und verdeutlichte so das Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichem Raum. Die flachgedrückten Blätter und Tannennadeln erinnerten mich an gemusterte Tapeten, an Cyanotypien (Blaudrucke) und an die Praxis, Blütenblätter zwischen die Seiten eines Tagebuchs zu pressen.“, so Weldzius.

Im Wohnviertel von David Weldzius in Los Angeles betreiben, wie auch in deutschen Städten, Werbeunternehmen die Haltestellen gegen Werbeeinnahmen. Der Untergrund, der Gehweg, ist öffentlicher Raum, während die Konstruktion in Privatbesitz ist und instand gehalten wird. Obdachlose nutzen Bushaltestellen oft als Schlafplatz. Da die Sitzbänke zum Liegen ungeeignet sind, müssen die Menschen auf dem Gehweg schlafen, also im öffentlichen Raum. Im Bundesstaat Kalifornien, wo die Wohnkosten für viele unerschwinglich sind und das Schlafen in der Öffentlichkeit als Straftat gilt, hat sich die Bushaltestelle längst zu einem umstrittenen Ort entwickelt.

David Weldzius: „Meiner Einschätzung nach offenbart die städtische Bushaltestelle – deren Design an den Glaspavillon und damit an ein Relikt der utopischen Moderne des 20. Jahrhunderts angelehnt ist – eine Vernachlässigung gesellschaftlicher Verantwortung. Ihr Status als Architektur an der Schnittstelle von öffentlichem und privatem Raum versinnbildlicht den folgenschweren Wandel vom keynesianischen Sozialstaat hin zur „Trickle-Down-Ökonomie“, einer Entwicklung, die das Leben der sogenannten „Working Poor“ – der Erwerbstätigen in Armut – bis heute tiefgreifend prägt. Die offene, dreiwandige Konstruktion der Haltestelle erinnert an das Bühnenportal des hellenistischen Theaters. Doch wenn ich durch die „vierte Wand“ blicke, fällt es schwer zu sagen, ob ich Zeuge einer Tragödie oder einer Farce werde.

Indem ich die Bushaltestelle in Deutschland auf dem Land im farbenprächtigen Licht des späten Nachmittags fotografierte, wollte ich meine gewohnte Erzählweise aufbrechen. Auch auf die Gefahr hin, etwas naiv zu wirken: Stellen wir uns einen Erntehelfer vor (vermutlich einen Migranten), der in einen Bus Richtung Westen steigt und am Rathaus von Osnabrück ankommt – jenem Ort, an dem im Oktober 1648 mutmaßlich der Westfälische Friede unterzeichnet wurde. Dort könnte der Landarbeiter über die Geburtsstunde des Nationalstaats, die Industrielle Revolution, die Kriege des vergangenen Jahrhunderts, die Gründung der Vereinten Nationen und der Europäischen Union sowie über die Neoliberalisierung nachdenken. Wie steht es um die Weltordnung, und ist es nicht an der Zeit, über eine andere Art des Zusammenlebens nachzudenken? Vor allem aber: Wie würden sich die langsamen, unaufhaltsamen Verschiebungen der geopolitischen Machtverhältnisse auf den Wanderarbeiter auswirken?“

Abbildung oben „Borgholzhausen bus shelter“ Fotografie von David Weldzius.

Mehr Fotos von David Weldzius

WHERE THE FOX LIVES

Der Fuchs lebt ursprünglich verborgen in unterirdischen Bauten abseits menschlicher Siedlungen, nähert sich jedoch zunehmend urbanen Räumen an und bleibt dabei für viele Menschen dennoch kaum sichtbar. Diese Ambivalenz aus Nähe und Verborgenheit bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung ,,Where the Fox Lives“ in der skulptur-galerie Osnabrück.

Gezeigt werden erstmals dreidimensionale Arbeiten aller neun Künstler:innen der Ateliergemeinschaft DaunTown, die in einer ehemaligen Daunenfabrik am Rand des Teutoburger Waldes arbeiten. Die Ausstellung eröffnet einen Überblick über die unterschiedlichen künstlerischen Positionen.

Kuriert wurde die Ausstellung von Alexej Eisner und Marius Kolkmeyer. Sie zeigen mit dieser Ausstellung neue Ein-, Aus- und Durchblicke auf die Werke von Sarah Marie Caroline Dahm, AnnieLuu Fischer, Beate Freier-Bongaertz, Michael Holtgrewe, Marvin Knopf, Wolfgang Meluhn, Matthias Poltrock, Jörg Spätig und Yasin Wörheide.

5.6. bis 11.7.2026
skulptur-galerie Osnabrück, Bierstr. 2
Öffnungszeiten: Mi–Fr 15–18 Uhr und Sa 11–16 Uhr


Die Ausstellung zeigt neue Ein-, Aus- und Durchblicke, die überraschen.

Neun!

Sarah Marie Caroline Dahm avanciert nach ihrem DaunTown-Atelier-Stipendium zum festen Mitglied der Ateliergemeinschaft. Mit jetzt neun Atelierplätzen und einem Stipendiatenraum bietet DaunTown einem breiten Spektrum aktueller Kunst ein Zuhause.

Mit Sarah Marie Caroline Dahm zieht eine Künstlerin ein, deren Schwerpunkt im Bereich der ungegenständlichen Malerei, Fotoübermalung  und der analogen schwarz/weiß Fotografie liegt.

In ihrer großformatigen Malerei konfrontiert sie den Betrachter mit  emotionalen Bildern, ihrer eigenen Gefühlswelt entsprungen. Die Ölmalerei entsteht impulsiv mit Fingern und Tuch direkt auf der Leinwand. Mit vielschichtigen Farbüberlagerungen baut sie ein Spannungsfeld von Dichte und Weite, von Tiefe und Leichtigkeit auf.

Hier ein paar Eindrücke aus dem neuen Atelierraum.


Das neue DaunTown-Atelier von Sarah Marie Caroline Dahm.


Malerei von Sarah Marie Caroline Dahm.


Neue von Sarah Marie Caroline Dahm. Für diese Arbeit wurde Baumrinde aus dem Avantgarten in DaunTown als Malgrund verwendet.

Mehr Arbeiten von Sarah Marie Caroline Dahm

Topologie

Anläßlich der Langen Nacht Der Kunst fand die Ausstellung „Topologie“ von Beate Freier-Bongaertz im Theater Gütersloh statt.

In diesem Werk setzt die Künstlerin sich mit verschiedenen Sichtweisen der Wegstrecken zwischen Heimat und Zuhause auseinander. Zeichnungen, Screenshots und Videos eröffnen eine vielfältige künstlerische Umsetzung des Themas. Das komplexe Werk enthält autobiografische Arbeiten, fragt aber auch, wie sehen die Bewegungsprofile der Lebenswege von Menschen innerhalb eines Ortes aus?

In ihrer Videoarbeit zeigt die Künstlerin ihre persönliche Wegstrecke einer Autofahrt als ein abstraktes Farbrauschen. Aufgenommen in Echtzeit wird hier die Realität auf Farbe reduziert.

Freier-Bongaertz eröffnet immer wieder neue Aspekte und Umsetzungen der eigenen Wegstrecke. Tägliche Handlungen und Gesehenes werden in unterschiedliche künstlerische Ausdrucksform transformiert. So werden Screenshots von Navi-Grafiken zur Grundlagen von zeichnerischen Kommentaren.

Die künstlerische Arbeit „Migratio“ ist ein Teilaspekt des Gesamtwerks „Topologie“ und geht der Frage nach: wie sehen die Bewegungsprofile der Lebenswege von Menschen innerhalb eines Ortes aus? Grundlage ist eine Deutschlandkarte, überspannt mit Pergamin, auf dem die Lebensstationen der jeweils 35 Befragten pro Stadt linear festgehalten werden. Das Werk „Migratio“ eröffnet einen Blick auf Verborgenes jenseits des „offen Sichtlichen“. Es entstehen Zeichnungen, die eine eigene, nicht planbare Bildästhetik entwickeln.


Stills aus dem Video.


Eine der siebzig Zeichnungen, sie zeigen die Wegstrecke zwischen Heimat und Zuhause der Künstlerin.


Die Linien zeigen die Bewegungsstruktur von Bewohnern aus acht Orten.


Gütersloher wurden nach ihren Lebenswegen befragt. Mehr Infos zu dem Projekt Migratio (Fotos Michael Wöstheinrich)

Please hold the line – second call

Die Künstler Marvin Knopf (Malerei) und Joachim Jurgelucks (Skulptur) setzen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort.

Sie gehen in ihrer zweiten Ausstellung interessante Zwiegespräche ein. Das Thema ist in ihren verschiedenen Sichtweisen die „Linie“. Ihre Werke wirken zunächst sehr unterschiedlich und doch harmonieren sie im Miteinander – bunt, wild, schwebend, dann wieder höchst ästhetisch klar, rein und konkret.

Die Galerie „Rampe“ hat beide Künstler in Ihre Ausstellungs-Reihe „MITEINANDER“ aufgenommen. Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 31.5.2026
Kunstraum Rampe, Neustädter Straße 9 (Hinterhof), 33602 Bielefeld


Ausstellungsansicht, Malerei von Marvin Knopf.


Werke von Marvin Knopf (Malerei) und Joachim Jurgelucks (Skulptur) in der Galerie „Rampe“.

Work

Die Skulptur „Work“ von Garvin Nolte symbolisiert die üblicherweise nicht sichtbaren Arbeitsschritte im Schaffensprozess eines Künstlers.

Wie ein Romanautor, der seitenweise Geschriebenes am Ende des Arbeitstages wieder verwirft, um am nächsten Tag von vorne zu beginnen, agiert hier auch der Bildende Künstler.

Auslöser für dieses Werk war der Konflikt mit dem Umstand, dass künstlerische Schaffensprozesse sich oft über einen langen Zeitraum hinziehen, dabei scheinbar ohne sichtbares Ergebnis. Und doch ist genau diese Zeit des Auslotens, Scheitern und Neuanfangen entscheidend, um am Ende zu einem überzeugenden Werk zu gelangen.

Die Zwischenschritte im eigenen Schaffensprozess dokumentierte Nolte durch das Sammeln alter Schreibmaschinen, jedes Objekt steht für einen Arbeitsschritt, der verworfen wurde, ist ein Platzhalter eines Zeitabschnitts.

Garvin Noltes Arbeit ist im Avantgarten, dem Skulpturengarten von DaunTown zu sehen. Dort sind Werke von bisher 25 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert. Die Übersicht aller Arbeiten liefert die Internetseite Avantgarten.eu

 


Das Werk „Work“ von Garvin Nolte im Avantgarten in DaunTown.

… und ich sah viele Leute dort oben, die wie ich die Fenster suchten.

Mit jedem Schritt verschiebt sich der Horizont, und mit ihm das, was sichtbar wird.

Die neue Ausstellung von Yasin Wörheide widmet sich dem Motiv des Fensters als Schnittstelle zwischen Innen und Außen, zwischen Wahrnehmung und Projektion.

Was einst als architektonisches Element den Blick auf die Natur rahmte und in den geschützten Innenraum einer Burg überführte, hat sich in der Gegenwart zu einem digitalen Prinzip erweitert: Fenster als Betriebssysteme, Interfaces, geöffnete Tabs – Zugänge zu parallelen Realitäten.

Yasin Wörheides Arbeiten greifen diese Verschiebung auf. Seine Malerei versteht er als „intrinsische Fenster“ – Bildräume, die nicht nach außen, sondern nach innen führen. Sie eröffnen Einblicke in mentale und emotionale Zustände, in denen sich äußere Eindrücke, Erinnerungen und Imaginationen überlagern. Ergänzt werden die Malereien durch skulpturale Arbeiten, die sich mit Transformation, Systemen und Bedeutungsverschiebungen auseinandersetzen.

Die Ausstellung ist vom 2.5. bis zum 31.5.2026 im Kunstverein „Kunst im Turm“ Lippstadt, Von-Tresckow-Straße 31, zu sehen.

Ikonen

Marvin Knopf zeigt neue plastische Werke in der Kunsthalle Osnabrück.

Als Projekt AMU (Art Mash-Up) von der Künstlerin und Kuratorin Eva Lause ins Leben gerufen, erstreckt sich die Ausstellung „Homegrown“ über drei Häuser, die Kunsthalle, den BBK und die skulptur galerie in Osnabrück. Gezeigt werden Arbeiten von 13 lokalen und regionalen Künstlerinnen und Künstlern.

Marvin Knopf ist mit der Serie „Ikonen“ vertreten.  Hierin verarbeitet er, ähnlich seiner Malerei, Verpackungen von Konsumgütern und wirft Fragen zu unserem Konsumverhalten auf. Wie schon zu Warhols Zeiten erhebt das Werk die billige Ware zur Kunst. Die Lobeshymne auf den Kapitalismus hat jedoch Dellen bekommen.

Sein Zugang zum Material ist oft überraschend und spielerisch. Knopfs Produktnachbildungen in glasiertem Steingut erscheinen archaisch, als wären sie Relikte aus einer anderen Zeit, lediglich der unverkennbare Anstrich holt sie in die Gegenwart.

Die Ausstellung „Homegrown“ ist bis zum 5. April zu sehen.
Kunsthalle Osnabrück , Hasemauer 1, Öffnungszeiten: Di – So 11:00 – 18:00

BBK Osnabrück und Skulptur galerie haben andere Zeiten, bitte entnehmen Sie diese direkt den Webseiten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Ausstellungsansicht Kunsthalle Osnabrück.


Die Arbeit „Curry King“ von Marvin Knopf ist Teil der Serie Ikonen.


Keramik von Marvin Knopf.


Verpackungen von Konsumgütern in glasiertem Steingut nachbildet.

Idyll und Chaos

Matthias Poltrock zeigt im Museum Borgholzhausen einen Querschnitt seines Schaffens der letzten Jahre. Die wichtigsten Werkreihen aus seinem Oevre sind hier vertreten.

In seiner Malerei sind „Seestücke“ ein immer wiederkehrendes Thema, eine experimentelle Umsetzung gesehener und erlebter Natur.

Unter seinem Künstlernamen K-PAX entstanden bunte Pop-Art-Bilder aus allen denkbaren Materialien. Leuchtende Farben und starke Kontraste, digitale Bildelemente, kultige Sammlerstücke, Fundstücke und Malerei wurden hier in Resin vergossen – Bildobjekte als konservierte Zeitgeschichte.

Poltrocks Objekt-Serie „Das Herz eines Künstlers …“ entspringt seiner Idee einer Segnungskunst und sucht optische Nähe zur Monstranz. Sie ist, ausgehend von der Materialität, der Arte Povera zugewandt. „In dieser künstlerischen Arbeit frage ich nach der Definition von Abfall/Müll. Durch Kunst erfährt der Abfall eine Emporhebung und wird als wertvoll kenntlich gemacht. Kunst ändert die Wahrnehmung der Welt, die im beständigen Fluss ist.“

Als Mitbetreiber des Museums und ehrenamtlicher Kulturveranstalter
zeigt der Kulturverein Borgholzhausen diese Ausstellung
bis August 2026 im Museum Borgholzhausen, Freistraße 25
Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags von 15 – 18 Uhr
www.kulturverein-borgholzhausen.de


„Seestück“ von Matthias Poltrock.


Grafische Flächen, Fachwerk und Farbfeldmalerei.


Altes Haus trifft auf moderne Architektur, festgehalten in Malerei von Matthias Poltrock.

Please hold the line

Das verbindende Element in den Arbeiten von Marvin Knopf und Joachim Jurgelucks ist die Linie. Bei Knopf provokant in die Malerei integriert, bei Jurgelucks als Skulptur den Raum erobernd.

Die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Melle zeigt ein umfassendes Werk beider Künstler.

Kompositionen von lichtem Chaos als poetisches Wechselspiel von Fülle und Leere in der Malerei und formale Klarheit der Skulpturen gehen hier eine spannende Symbiose ein. Die Auseinandersetzung beider Künstler mit dem Thema Komposition und Linie zeigt spannende Werke, die in ihren Facetten entdeckt werden wollen.

Die Ausstellung ist vom 20.2. bis zum 22.3.2026 zusehen.
Kunstverein Melle, Engelgarten 31, Melle
Öffnungszeiten: Samstag: 15 – 18 Uhr und Sonntag: 15 – 18 Uhr


Ausstellungsansicht: Malerei von Marvin Knopf und Skulpturen von Joachim Jurgelucks.


Einblicke in die Ausstellung „Please hold the line“ im Kunstverein Melle.

Mehr über die Arbeiten des DaunTown-Künstler Marvin Knopf